Nicht
ins Heim und nicht allein
Ist die WG ein passendes Wohn-Modell für Senioren?
Die Idee, in eine Wohngemeinschaft zu ziehen, haben vor allem Menschen im Alter
zwischen 55 und 65 Jahren - alleinstehende Frauen sind es in erster Linie, die
Angst haben im Alter zu vereinsamen oder ganz einfach die Nähe anderer
suchen.
Die Vorteile einer solchen Wohnform liegen auf der Hand: In einer Wohngemeinschaft bleibt man eigenständig und pflegt soziale Kontakte. Hat man selbst kleinere gesundheitliche Probleme, bekommt man von seinen Mitbewohnern Unterstützung ohne Pflege beanspruchen zu müssen. Man kocht, isst, wäscht, putzt und verwaltet gemeinsam - man spielt abends Karten, lädt Besucher ein, unternimmt zusammen Einkäufe oder sieht gemeinsam fern, sofern man Lust dazu hat.
Aber auch
die Kosten sind ein Faktor für das gemeinschaftliche Wohnen. Miete und
Betriebskosten werden ebenso geteilt wie die gemeinsame Waschmaschine, Handwerker,
Putz- und bei Bedarf auch Pflegepersonal.
Gegenseitige Unterstützung im Alltag
Das WG-Leben hat aber auch Nachteile. Um diese zu vermeiden, sollte bei der
Gründung einer Senioren-WG einiges bedacht werden. Das Wichtigste: Die
Bewohner müssen gut zusammen passen um Konflikte zu vermeiden, meinte Sabine
Matzke von der Wohnbund-Beratung in Nordrhein-Westfalen in einem Interview mit
dem ZDF.
Wer lange Zeit allein oder mit der eigenen Familie gelebt hat, kann sich vielleicht nicht vorstellen, mit anderen Bad und Küche zu teilen. Regeln, etwa eine Hausordnung, sollten gemeinsam erarbeitet und akzeptiert, gemeinsame Aktivitäten im Vorhinein besprochen werden. Die finanziellen Möglichkeiten der WG-Mitglieder sollten nicht zu weit auseinander liegen, und auch ganz banale Fragen gehören geklärt: Sind Haustiere erlaubt? Wer putzt wann? Wer kauft ein? Welche Kosten werden geteilt?
In Deutschland
sind Senioren-WGs zwar auch noch selten, es gibt aber öffentliche Träger
die diese Wohnform unterstützen - finanziell, beratend oder bei der Suche
nach einem geeigneten Objekt.
Mehrere Generationen in einem Wohn-Haus
Neben der klassischen Wohngemeinschaft bestehen für alte Menschen andere
Modelle gemeinschaftlichen Zusammenlebens auch in Österreich - teilweise
oder zur Gänze betreut.
Mehr-Generationen-Wohnen
ist ein Modell, das hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt, von dem man
sich aber viel für die Zukunft verspricht. Die "Alten" leben
zwar in eigenen Wohneinheiten, sollen hier aber in aktiver Rolle in ein Gesamtsystem
integriert sein, das allen Generationen hilft. Wohngemeinschaften mit integriertem
Pflegeservice
In speziell errichteten Reihenhaussiedlungen oder Wohnanlagen werden schon heute
speziell für ältere Menschen adaptierte Wohnungen angeboten, ohne
Treppen und Türschwellen, jedoch mit breiteren Türen und extra großen
Bädern und Küchen. In derartigen Spezial-Objekten wohnen zwei bis
drei Menschen pro Wohnung. Bei Bedarf können die Mieter auf Knopfdruck
Pflege- und Haushaltsdienste buchen.
Solche bedarfsbetreuten
Wohnanlagen werden mancherorts von Wohnbaugenossenschaften angeboten - auch
wenn es sich um geförderte Mietwohnungen handelt. Diese Wohnungen wenden
sich eher an eine zahlungskräftige Klientel.
Text: Matthias Haydn