Schon bald
nach seiner Eröffnung 1892 wurde das Grand Hotel Anziehungspunkt für
berühmte Reisende aus der ganzen Welt: Könige und Politiker stiegen
hier ebenso ab, wie Schauspieler, Spione und Schriftsteller. Mustafa Kemal Atatürk
soll hier seine Pläne für eine moderne Türkei erarbeitet haben,
Agatha Christie schrieb hier einige ihrer bekannten Romane. Die Hotelzimmer
der beiden sind heute kleine Museen.
Zimmer 411: Agatha Christie
Die bekannte englische Krimiautorin bewohnte im Hotel Pera Palas zwischen 1926
und 1932 immer das gleiche Zimmer, die Nummer 411. Hier schrieb sie auch einen
ihrer berühmtesten Romane, den "Mord im Orient Express". Wie
es sich für eine Krimi-Autorin gehört, rankt sich um ihre Aufenthalte
in Istanbul und im Hotel ein Gerücht, eine Geschichte in zahlreichen Versionen.
Agathas Geheimnis
Drei Jahre nach Agatha Christies Tod 1976 plante die Hollywood Produktions-Firma
Warner Brothers einen Film: "Das Geheimnis der Agatha Christie". Konkret
sollte der Film von elf fehlenden Tagen im Leben der Autorin handeln.
Agatha Christie verschwand im Dezember 1926, nachdem ihre Mutter kurz zuvor verstorben war und ihr damaliger Mann eine Affäre mit einer Golfpartnerin eingestanden hatte. Agatha verließ das Haus, ihr Auto wurde später in einer verlassenen Gegend gefunden und sogar Gerüchte über einen Selbstmord der Autorin machten damals die Runde. Elf Tage später wurde sie verstört und ohne jede Erinnerung an diese Tage in einem Hotel in Harrogate aufgefunden.
Der mysteriöse
Schlüssel
Um das Rätsel der elf fehlenden Tage zu lösen beschritten die Filmleute
von Warner Brothers einen unüblichen Weg. Tamara Rand, ein in Hollywood
bekanntes Medium, wurde engagiert, um mit der Verstorbenen in Kontakt zu treten.
Sie hielt eine Seance und konnte angeblich wirklich mit der toten Agatha Christie
kommunizieren. Ein mysteriöser Schlüssel
Agatha teilte Tamara Rand mit, sie hätte einen Schlüssel im Zimmer
411 im Hotel Pera Palas in Istanbul versteckt. Der Schlüssel würde
das Rätsel um die elf fehlenden Tage lösen.
Journalisten
aus der ganzen Welt fanden sich daraufhin am 7. März 1979 im Pera Palas
ein. Über Telefon dirigierte Tamara Rand aus Los Angeles die Filmleute
zum Versteck, übertragen im amerikanischen Fernsehen. Und tatsächlich:
Gleich neben der Zimmertüre wurde ein verrosteter, acht Zentimeter langer
Schlüssel gefunden, versteckt unter einem Brett des Fußbodens.
Der unerbittliche Hoteldirektor
Zum Erstaunen der Film-Crew beschlagnahmte der Hoteldirektor des Pera Palas
den Schlüssel. Für zwei Millionen Dollar würde er ihn den Filmleuten
überlassen. Sein Druckmittel: Agatha Christies Geist hatte mitgeteilt,
das Geheimnis der elf Tage könne nur gelöst werden, wenn sich der
Schlüssel in den Händen von Tamara Rand befände. Das Geschäft
mit dem unerbittlichen Hoteldirektor kam nicht zustande.
Bis vor einem Jahr befand sich der Schlüssel in einem Hotel-Safe, jetzt ist er in einer Vitrine in der Hotelbar ausgestellt. Ob und wie er das Geheimnis der elf fehlenden Tage im Leben von Agatha Christie lösen könnte, blieb bis heute ungelöst. Der Film aber wurde gedreht, ohne eine Pera-Palas-Sequenz. Text: Matthias Haydn