Kleine Bühne mit großem Ruf
Wiener Kleinkunstinstitution Niedermair

In den 1980er Jahren gab es in der Wiener Kabarett-Szene eine Aufbruchstimmung. Neue Bühnen wie Kulisse, Metropol und Spektakel wurden gegründet. Im Oktober 1983 eröffnete in der Wiener Lenaugasse im 8. Bezirk das Kabarett Niedermair. Von Anfang an war das Niedermair eine Anlaufstelle für junge Kabarettisten. Die Karriere zahlreicher, heute in ganz Österreich und teilweise über die Landesgrenzen hinaus, bekannter Kabarettisten ist daher eng mit dem Niedermair verbunden. Thomas Maurer, Mike Supancic, Schlabarett oder Josef Hader haben hier ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt.

"Das Niedermair war die erste professionelle Kabarett-Bühne, wo ich gespielt hab", erzählt Josef Hader, der 1985 nach einem Kabarettabend vor den damaligen Leitern I Stangl und Nadia Niedermair auf der Bühne vorspielen durfte - und prompt engagiert wurde. "Es gibt junge Kollegen, die sagen, der Stangl sagt einfach, wenn sie ihm vorspielen: 'ändern!' Und die sagen dann, 'was soll ich denn ändern, die Nummern, den Vortrag', und er sagt: 'den Beruf!'". Josef Hader hatte mehr Glück. Aus Verbundenheit zu der kleinen Bühne tritt er nach wie vor immer wieder im Niedermaier auf.

Hin zum literarischen Kabarett

Seit 2004 sitzt Andreas Fuderer am Niedermair-Steuer. "Ich lege sehr großen Wert auf die Qualität der Darbietungen, die auf der Bühne stattfinden", sagt Andreas Fuderer. "Es ist natürlich auch Geschmacksache, welche Leute im Kabarett Niedermair spielen. Es zieht sich aber eine Linie durch, die eher weg geht von der Comedy und hingeht zum literarischen Kabarett." Andreas Fuderer möchte, dass sich die Besucher des Niedermair nicht nur unterhalten, sondern dass sie auch was zum Nachdenken haben.Sprungbrett für junge Kabarettisten
Einen, den der Niedermair-Chef immer wieder gern spielen lässt, ist zum Beispiel Thomas Maurer. Ohne Kabarett Niedermair wäre Thomas Maurer gar nicht auf die Idee gekommen, Kabarettist zu werden, erzählt er. "Also ich war keiner von denen, die eh Kabarettist werden wollten und sich dann umgeschaut haben, wo man sich einmal ausprobieren kann, sondern ich bin tatsächlich mit 17 Jahren erstmals an dem Lokal vorbeigekommen und da hing ein Zettel heraußen, dass man sich zum so genannten Sprungbrett nominieren kann und weil ich jung, angetrunken und guter Dinge war, hab ich mich angemeldet."

Die Folge: Thomas Maurer, der dieser Tage sein 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert, wurde vom Niedermair "gezwungen", sein erstes Programm zu schreiben. "Wir haben einen Vertrag gemacht und in dem war eine Pönalzahlung von 6.000 Schilling pro schuldhaft nicht erbrachter Vorstellung. Und da hab ich mir gedacht, no da sollt ich mich jetzt hinsetzen und ein Programm schreiben.

Kleines Haus mit großem Ruf

Das kleine Kabarett Niedermair mit seinen knapp 100 Sitzplätzen hat heute einen großen Ruf als wichtige Nachwuchsbühne. Beim Publikum punktet es mit einer gelungenen Programm-Mischung aus eher unbekannten und arrivierten Künstlern. Der Niedermair-Leiter Andreas Fuderer hat eine Mission: "Ich möchte immer wieder schauen, dass neue Leute nachkommen, ich bin ständig auf der Suche nach jungen Künstlern, die hier wieder aufgebaut werden können und einen gewissen Zeitraum hier spielen können und dann woanders hinkönnen in größere Häuser und dann die Häuser dort anfüllen. Das ist meine Aufgabe hier, und meine Aufgabe in der Kabarettlandschaft."